Mittwoch, 26. Juli 2017

STURZREGEN, SPERRMÜLL UND STERNEKÜCHE

Hallo Ihr Lieben,
heute hatten wir einen vergleichsweise gechillten Tag, denn wir konnten ja einen fahren lassen, nämlich unseren Busfahrer. Beim Aufwachen gab es allerdings schon die erste Überraschung: es goss in Strömen - daher beschloss ich doch noch andere Kleidung als vorgesehen anzuziehen. Hauptsächlich tauschte ich meine Turnschuhe gegen Adiletten ein, da ich nicht mit vollgesaugten Nikes den ganzen Tag herumlaufen wollte und die Alternative Gummistiefel gab es nicht. Der Regen ist sehr warm hier und war sogar nach den letzten schwülen Tagen erfrischend. Die erste Station des Tages führt uns in Sturzbächen zum Meiji-Schrein, dem Grab der japanischen Kaiserfamilie. Am Eingang des Shinto-Tempels demonstriert uns unser Guide Herr B. wie die Waschung - ähnlich wie bei den Moslems - vonstatten geht, bevor wir den Tempel betreten. Da wir ohnehin schon nass bis auf die Knochen sind, denken wir, dass unsere Seelen rein genug sind:-)
Danach erfahren wir während der Busfahrt einiges über die japanischen Familien, die nur ein Kind haben. Der Mann verdient das Geld in einer 6-Tage-Arbeitswoche, die Frau widmet sich dem Kind, das gnadenlos verwöhnt wird. Die meisten Kinder studieren dann nach Möglichkeiten an der besten Uni des Landes bis sie mit über 30 Jahren endlich das elterliche Haus verlassen. Der Mann ist ein Fremder in seiner eigenen Familie und wenn er in Rente geht, kann er daheim nichts mit sich anfangen. Daher nennen die Frauen ihre Männer dann „Sperrmüll“, 30 % entsorgen sogar ihren „Sperrmüll" im Rentenalter - so hoch ist die Scheidungsrate bei den Pensionären!
Vom 45. Stock des neuen Rathauses wollten wir eigentlich die Aussicht genießen, aber das Wetter macht uns einen Strich durch die Rechnung. Sonja und ich nehmen in der noblen Bar einen Aperitif zu uns. Man lässt uns sogar in Adiletten rein und bedient uns als ob nichts wäre - sehr professionell die Japaner. Trinkgeld dürfen wir aber auch hier nicht geben und so bedanken wir uns einfach mit einem herzlichen „Arigato“. Von da aus besuchen wir das Nobelkaufhaus Mitsukoschi. Sonja ist wieder in ihrem Element weil es hier zwei Stockwerke mit Delikatessen zu bestaunen gibt. Bei den Japanern ist Essen eine Kunst: es werden nur frische, hochwertige Zutaten verwendet und liebevoll angerichtet, da das Auge mit isst. Wir kommen aus dem Staunen echt nicht mehr heraus. Der Zufall führt uns auch noch in der Mittagspause zu dem 2-Sterne-Koch Thierry Marx, wo Sonja ein Fischtatar und ich einen Burger bestelle. Und drei Mal dürft ihr raten: Auch in der Sterneküche sind Adiletten kein Problem, wenn man das nötige Kleingeld dabei hat.
Den Rest des Tages haben wir in Richtung Fuji-San im Bus verbracht - wo Sonja sich noch einen Nachschlag in Form von Fleischspießchen gegönnt hat. An der Raststätte hat uns das WC-Leitsystem beeindruckt, das anzeigt, welche Toilette frei ist. Die Klobrillen waren übrigens geheizt. Nach kleinen Einkäufen im Supermarkt machen wir uns jetzt fertig fürs Onsen, eine Art Thermalbad. Wir werden den Abend in den heissen Quellen ausklingen lassen und später auf meine Mama anstoßen, die heute Geburtstag hat. Sto lat Mamciu!

Gute Nacht, 
Eure Geishas - heute im feierlichen Onsen-Outfit:-)


























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