Montag, 31. Juli 2017

MANGAS, MISOSUPPE UND MAIN STATION

Hallo Ihr Lieben,
den letzten Tag haben wir wieder auf eigene Faust in Kyoto verbracht und irgendwie schließt sich der Kreis, denn auch Tokio haben wir zu Beginn unserer Reise selbst erkundet. Zunächst haben wir eine riesige Shopping-Mall besucht. Ich habe aus Neugier einen Manga-Laden besucht, der sich allerdings als Erotik-Shop entpuppte. Die Zeitschriften sind sehr verniedlicht, denn der Japaner mag alles, was Niedlich ist. Dennoch gibt es da auch recht heftige Sachen in Form von Comics zu sehen. In einer dunklen Ecke stehen noch zahlreiche Automaten mit Sexspielzeug und gebrauchten Schlüpfern - also ist das alles kein Märchen. Insgesamt scheinen die Japaner, die ja keine Emotionen zeigen, die Erotik recht mechanisch zu betrachten, als Mittel zum Zweck. 30 % haben sich eh für ein Single-Dasein entschieden und in diesem Land darf man sogar eine Manga-Figur heiraten oder sich selbst. In der Shopping-Mall haben wir noch einen Waffenladen mit allem drum und dran entdeckt. Ich mag gar nicht darüber nachdenken, wie manche Japaner ihre Freizeit gestalten, es stimmt mich sehr nachdenklich.
Auf den Schrecken hin haben Sonja und ich uns mit einer Misosuppe, Tempura und Udon-Nudeln gestärkt. Das war echt köstlich, aber den größten Spaß hatten wir beim Essen, weil die Nudeln in der Suppe immer von den Stäbchen flutschten und dann mussten wir sie geräuschvoll einsaugen. Hier wird das aber als Kompliment aufgefasst, daher mussten wir uns nicht zurückhalten. Sonja hat im Anschluss frischen Wasabi und eine passende Reibe für ihre Kochschule gekauft - die Hirschkäfer und die Seeigel kommen morgen in einer Frischhaltebox direkt vom Händler zum Flughafen;-)
Danach freundeten wir uns  noch mit dem hiesigen U-Bahn- und Metronetz an, um den großartigen Bahnhof des japanischen Architekten Hiroshi Hara bestaunen zu dürfen. Wir sind beide keine Architektur-Fans, aber das Bauwerk hat uns echt umgehauen. Da erscheint der Berliner Flughafen, der nie fertig wird, wie ein Muggeschiss (sagt der Alemanne) dagegen. Das Bauwerk hat auch eine Schulklasse bestaunt. Wir wissen ja  inzwischen, wie wichtig Bildung hier genommen wird.
Heute Abend haben wir noch einmal eine Koberind-Orgie gefeiert: Das Universum hat uns mit Fülle beschenkt, wir können das immer noch nicht glauben, da es sehr preiswert war. Danach haben wir noch von Kyoto bei Nacht Abschied genommen. Jetzt bedanken wir uns bei euch, dass ihr mit uns gereist seid, wir checken noch online auf unseren Flieger ein und hoffen, dass wir morgen einen ruhigen Flug von Osaka nach Frankfurt haben,

Bussi,
Eure Geishas
























Sonntag, 30. Juli 2017

SCHWEISS, SCHREINE UND SHOGUNE

Hallo Ihr Lieben,
wir möchten euch nicht vorenthalten, wie der gestrige Abend zu Ende ging: Sonja und ich haben ein diskretes Restaurant ausfindig gemacht, wo einem ein Separee mit einem eigenen Grill zugewiesen wurde. In diesem Genusstempel durften wir unsere Schuhe ausziehen, 5 verschiedene Rinderstreifen selbst grillen und auch den Wasabi eigenhändig reiben. Unsere Nachbarn saßen neben an, nur durch einen Vorhang getrennt - eine sehr intime und lauschige Atmosphäre war das.
Heute morgen sind wir mit der Gruppe aufgebrochen, um möglichst viel von Kyoto zu sehen. Bei 33 Grad und einer Luftfeuchtigkeit von 88 % war das kein Kinderspiel. Selbst zu meinen Triathlon-Zeiten habe ich nicht so viel geschwitzt. Dank der mitgebrachten Elektrolyte habe ich den Tag ganz gut überstanden. Sonja hat sich von einem Wasserventilator und anderweitigen Instrumenten bestäuben lassen.
Erste Station war heute der Fushimi Inari Schrein mit 10.000 Torbögen, die diverse Kaufleute gespendet haben, um ihren Reichtum zu vermehren. Wir haben sie nicht gezählt, um ehrlich zu sein, aber es sah sehr beeindruckend aus - ebenso das Wasch-und Gebetsritual der Gläubigen. Im Dorf selbst bestaunten wir sprechende Roboter im Tante-Emma-Laden sowie die oberirdisch verlegten Stromleitungen, die in ganz Japan Gesetz sind aufgrund der Erdbebengefahr.
Weiter ging es zum Shogun-Schloss Nijo-jo, wo wir uns von der Geschichte dieser tapferen und tugendhaften Krieger haben verzaubern lassen. Da Hitze und Luftfeuchtigkeit des Tages mittlerweile ihren Höhepunkt erreicht haben, habe ich mich für den Shogun-Wetlook-Style entschieden:-).
Sonja kam kurz danach wieder in der Nishiki-Markthalle voll auf ihre Kosten. Sie hat überlegt jetzt, ob sie zu den gerösteten Hirschkäfern von gestern einen Seeigel-Salat reicht:-) Des Weiteren  haben wir die Bekanntschaft von 2 Türken aus Istanbul gemacht, die einen Kebab-Stand seit 7 Jahren betreiben. Mit meinen paar Brocken Türkisch habe ich glatt ihr Herz erobert. Zu Mittag gab es dann japanische Tapas, die sehr lecker waren. Lediglich auf die Seegurke habe ich verzichtet, aber sonst alles verdrückt, was tot und lebendig war.
Zu guter Letzt standen noch zwei buddhistische Tempel auf dem Programm, der Ryoanji Tempel und der Rokuon-ji Tempel, wo wir viel über den Zen-Buddhismus erfahren haben und uns im Münzenweitwurf ausprobieren durften. Jetzt sind wir megafroh, einfach nur zu duschen und etwas zu chillen,

Friede sei mit euch:-)
Eure Geishas

































Samstag, 29. Juli 2017

TAKAYAMA JINYA, TOURISTENFÜHRER UND TEIGTASCHEN

Hallo Ihr Lieben,
gestern Abend haben wir wieder ein traumhaftes Lokal in Takayama gefunden, wo wir uns ein Hidarind-Filet gegönnt haben. Dabei haben wir zwei Italienerinnen kennengelernt, die auf eigene Faust durch Japan reisen. Zimmer, Züge und Ausflüge haben sie allerdings vor gebucht, da es gerade zur Ferienzeit hier kritisch werden kann mit Zimmern. Es war ein ausgelassener Abend, den wir im Onsen haben ausklingen lassen. Nein, wir haben nicht in dem Kellner-Outfit im Lokal ausgeholfen, sondern sind so ins SPA gegangen. Diese Uniform sieht in jedem Hotel etwas anders aus:-). Bei dieser Gelegenheit durften wir im SPA ein Foto von einer glücklichen japanischen Familie machen, die sich über zwei Kinder freuen darf. Familien mit drei und mehr Kindern gelten übrigens als steinreich, da Nachwuchs hier (allein ein Kindergartenplatz kostet 400 € pro Kind und Monat, vom Schul- und Studiumgeld  ganz zu schweigen) teuer ist. By the way: Die Dame in dem orangefarbenen Krankenschwester-Look ist unsere SPA-Hostess. Und noch was: Wer Tattoos hat oder gepierct ist, darf nicht ins Onsen, weil es als unrein gilt.
Heute morgen sind wir dann vom Hotel aus zu Fuss in die Altstadt spaziert, wo wir das Takayama Jinya Regierungshaus aus dem 17. Jh. besucht haben. Wie schon in den Tempeln mussten wir auch hier die Schuhe ausziehen, bevor wir die mit Tatami-Matten (Reisstroh) belegten Böden betreten durften. Drinnen haben wir viel über das frühere Steuer- sowie Rechtssystem erfahren, aber das würde hier zu weit führen. Anschließend haben wir einen Wochenmarkt besucht, wo Sonja wieder voll auf ihre Kosten kam. Ich glaube nach dieser Reise wird sie einen auf Proteinen basierenden japanischen Kochkurs anbieten, denn auf dem Markt hat sie ganz euphorisch überdimensionale Hirschkäfer fotografiert;-).
Ich habe mich derweil mit unserem Guide Herrn B. unterhalten, der wirklich einen hervorragenden Job macht. Es gibt nichts, was er nicht weiß. Wir sind froh, dass wir ihn haben, denn wir hätten es auch ganz anders erwischen können wie ihr auf dem Foto erkennen könnt: Ein japanischer Reiseleiter, der kaum Englisch spricht und im Bademantel seine Gruppe durch die Stadt führt. Herr B. dagegen brachte Sonja in einen Sake-Laden, wo sie einen edlen Tropfen fand. Ansonsten haben wir die vielen, liebevoll eingerichteten Läden bestaunt, einer hatte nur Essstäbchen im Angebot, dafür in allen Ausführungen. In der Mittagspause habe ich die Dampfnudeln probiert - ohne Essstäbchen. Sie können sich zwar nicht mit den polnischen Piroggen meiner Mama messen, dafür hat hier eine Teigtasche das vierfache an Volumen:-) Bis zum Abendessen wird sie gut halten! Jetzt checken wir in unser Hotel in Kyoto ein und wünschen euch einen schönen Abend,

Eure Geishas