die Nacht war kurz, das Frühstück auch, denn heute stand unter anderem der heilige Berg - der Fuji-San - auf dem Programm. Erwartungsvoll sind wir in aller Frühe zum Kawaguchi-ko-See aufgebrochen, doch dicker Nebel in den Bergen machte uns einen Strich durch die Rechnung. So haben wir lediglich die Blumenpracht an dem See bewundert und uns an den unterschiedlichen Düften erfreut. Überhaupt riechen Pflanzen in Japan recht intensiv, ob draussen in der Natur oder im Blumenladen. Zum Trost haben wir für euch einen "Blumen-Fuji" fotografiert:-)
Da der Weg nach Nagano im Bus heute etwas länger war, haben wir es uns dort gemütlich eingerichtet. Sonja und ich haben je zwei Plätze zur Verfügung, wenn wir den Kindersitz ausklappen, können wir sogar die Beine ausstrecken. Außerdem haben wir WiFi an Bord, so dass ich künftig euch schon unterwegs schreiben kann und nicht erst abends. Erster längerer Halt war dann in Matsumoto, wo die älteste Samurai-Burg Japans aus dem Jahre 1593 steht. Aufgrund ihrer schwarzen Farbe und den "ausgebreiteten Flügeln" wird die Matsumoto Jo auch "Krähenburg" genannt. Man muss schon ein gewisses Fitnesslevel mitbringen, wenn man die Burg von innen ohne Schuhe erklimmen will, denn die Treppen sind mega steil und hoch. Trotz 32 Grad sind wir wie zwei Äffchen da hochgeturnt und konnten die Ausrüstung und die Waffen der Samurai bestaunen. Danach haben wir uns in einem malerischen Stadtteil ein Café mit Klimaanlage gesucht sowie einer japanischen Speisekarte. Mit Händen und Füßen haben wir uns Sandwiches ausgesucht, die mit meinen daheim mithalten können. Allerdings mussten wir etwas hektisch aufbrechen, um unseren Bus noch zu erwischen. Das tat uns sehr leid, da die Japanerinnen das Essen sehr liebevoll zubereitet hatten und wir es würdigen wollten, aber nicht konnten.
Auf der Weiterfahrt hat uns unser Guide Herr B. von den Hikikomori erzählt, was uns sehr nachdenklich und melancholisch stimmte. Es sind junge Menschen (überwiegend Männer), die aus der Gesellschaft aussteigen und für immer zuhause bei ihren Eltern bleiben ohne einer Arbeit nachzugehen. Es sind Aussenseiter, die ihr Dasein in einer selbst gewählten Zelle (ein Zimmer daheim) fristen. Meistens sind es kreativ veranlagte Menschen, die in der monotonen Gesellschaft Japans nicht Fuss fassen können.
Danach haben wir die großartige buddhistische Tempelanlage Zenko-ji in Nagano besucht, wo der Amida-Buddah seinen Geist der Allgegenwärtigkeit - Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sind eines - versprüht, ohne sichtbar zu sein. Er ist zu heilig, um in der Öffentlichkeit präsentiert zu werden! Ferner hat es uns die Göttin der 26. Nacht, die die Empathie im Menschen weckt, angetan, da sie die Schutzpatronin der Kinder ist. Insgesamt war es heute also ein Tag der gemischten Gefühle. Aber wahrscheinlich macht der Tiefgang nur uns Europäern zu schaffen, da Japaner ohnehin keine Emotionen zeigen dürfen.
Bis morgen,
Eure Geishas


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